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Valle Arroscia - Eine traditionsreiche Welt

Wein, Korbflechter und Bergstiefel

Zwischen dem Meer und dem Gebirge, ein Land mit antiker Berufung zur Viehzucht, hat das Valle Arroscia bisher seine ländlichen und handwerklichen Tüchtigkeiten auf kluge Weise zu bewahren gewusst. Florierende Obst - und Gemüsepflanzungen auf dem fruchtbaren Boden des Talgrundes wechseln stufenweise beim Anstieg mit den Olivenhainen und den ordentlichen Reihen von Ormeasco - und Pigatoreben ab. Eine Wald- und Hirtenwirtschaft herrscht dagegen im oberen Tal. Die Landwirtschaft bleibt die grundlegende Beschäftigung in den malerischen auf dem Gebiet verstreuten Dörfern, die von den Glockentürmen überragt werden.

Bezüglich Ormeasco und Pigato

Die ersten Hinweise auf den Ormeasco sind an das Haus der Clavesana gebunden, das den Anbau dieses Rebstockes in Ormeasco im Jahre 1303 anordnete. Er entstammt der Dolcettorebe, die jedoch von dem markant verschiedenartigem Boden und Klima beeinflusst wird. Der Ormeasco hat eine schöne rubinrote Farbe und eine Blume von Brombeere, Kirsche und Veilchen; trocken und geschmackvoll paart er sich gut mit Fleischplatten, Geflügel und Wild. Über den Pigato - dem gleichnamigen Weinstock entstammend - erhält man Nachricht erst ab 1635. Der Name geht zurück auf die eigenartigen Flecken - pighe genannt - auf den reifen Beeren. Der Pigato hat eine goldgelbe Farbe, ist ein duftiger Wein, trocken und leicht bitter.

Eine hundertjährige Tradition

Der Olivenanbau besteht auch im Tal des Arroscia seit Jahrhunderten und deckt eine Fläche von etwa 300 Hektar. Einige Ölpressen befinden sich noch in Betrieb, während andere (z.B. die Ölpresse von Pieve di Teco an der Brücke della Forca) in gut gehaltenem Zustand nur ein suggestives Andenken an die Vergangenheit sind.

Ein Auge auf die Zukunft

Die Bewohner des Tales haben neben den traditionellen handwerklichen Tätigkeiten - die leider mit der Zeit verschwinden - neue Beschäftigungen aufgenommen, die an den Fremdenverkehr gebunden sind, an den Handel und an das Transportwesen.

Der Hang an Traditionen

Faszinierend sind die folkloristischen Veranstaltungen, die antike Traditionen veranschaulichen. Aber nicht weniger traditionell ist die örtliche Gastronomie, die im mittleren und unteren Tal aus Naturprodukten besteht, die typisch für die mediterrane Kost sind, wie z.B. das Olivenöl, die Gemüse, der Lauch, der traditionsmäßig zu einem Zopf geflochten wird (der sogenannten "Resta"). Im oberen Bergland hebt sich die Sennerei und der Weinanbau hervor. In Pieve di Teco verdient das Brot einen besonderen Hinweis, das aus Vollkornmehl zubereitet und im Holzofen gebacken wird.

Der Reiz der Volksfeste

Zahlreich sind die folkloristischen Volksfeste des Tales: geschichtlicher, religiöser, gastronomischer oder kommerzieller Art. Sie sind immer von Suggestion umwoben und rufen gesamte Bürgerschaften und zahlreiche Touristen zusammen. In Gavénola, in der Nacht von Karfreitag, tragen die Dorfkinder die Kleider des 18.Jh. der "himmlischen Heerscharen". In Vessalico, am 2.Juli jeden Jahres, beginnt das Weihefest des Lauches, das seit 1760 von der Bevölkerung gewollt wurde, "da sie von ihm einen noblen Nutzen ziehen würden". Noch heute ist der Markt eine Gelegenheit, die örtlichen Naturprodukte und die traditionelle Kultur des Gebietes kennen zu lernen. In Pieve di Teco wird am letzten Sonntag jeden Monats der Antiquariatsmarkt und des Handwerks abgehalten: eine Folge von Marktständen und Ausstellungen alter Berufe, die im Schatten der Laubengänge eine besondere Atmosphäre schaffen.
Pornassio lädt alle Touristen in den ersten Septembertagen, anlässlich des Weinfestes, ein mit Kostproben des Ormeascoweines und des ausgezeichneten Cerasuoloweines, der hier einfach "Sciak-tra" genannt wird. Montegrosso schlägt im Oktober das traditionelle Weihefest der Kastanie vor, bei welchem durch Ausstellungen einige Momente des ländlichen Lebens wach gerufen werden.

Der Nachklang des Weidenwechsels: unter den "ommi dà faija" und der Nachtwachen

"U camin", das war die Strecke, die zur Alm führte, eine wahre Schule: den Kleinen erzählte man alte Legenden der mytischen "Ommi da faija", eine Art lokaler Titanen; den Jungen wurden die natürlichen Erscheinungen erklärt, damit sie aus ihnen die Witterungsverhältnisse vorauszusehen lernten; den Mädchen lehrte man das Pflücken und Einmachen der aromatischen und arzneilichen Pflanzen. Ein Beispiel der Einfachheit, dem Ausmaß mit dem die menschlichen Erzeugnisse verwendet werden, ist sicherlich die Küche, die aus armen mit den Bergen verwandten Zutaten zubereitet wird, wie Kartoffeln und Milchprodukte. Das Öl wird mit Sparsamkeit mit "cu u truncu" gemessen, eine Portion, die durch Eintauchen eines Ästchens in die Ölflasche gemessen und auf die Speise getröpfelt wird.
Arme aber nahrhafte Speisen, einfach in der Zurichtung, die in ihrer Einfachheit den Charakter der Leute wiederspiegeln. Die "Friscöei" sind schmackhafte Pfannkuchen, süß oder gesalzen, die aus einem leichten Teig aus Wasser und Mehl mit der Zugabe von Gemüsen oder Obst angerichtet werden; der "Pan fritu" besteht aus gegärtem Brot, das in der Pfanne gebacken wird. Ein nahrhafter erster Gang sind die "Streppa e caccia là", zerfetzte Teigwaren, mit Kohlblättern, Rüben und Kartoffeln; die "Turle" sind Klöbe aus Kartoffeln und Minze; die "Brodo d'erbe amare" ist eine leichte Suppe mit geschlagenem Ei und gehacktem bitteren Gras, eine spontan wachsende aromatische Pflanze. Unter den Süßigkeiten hebt sich der "Brunetto d'ove" hervor, ein einfaches Getränk des gesamten piemontesischen Berglandes: dessen Zutaten Milch und Eier sind.

Die "cavagnari" oder Korbflechter von Rezzo

Seit dem 17.Jh. werden die Bewohner von Rezzo mit "cavagnari" bezeichnet, d.h. Korbflechter, als Beweis der Wichtigkeit, die in diesem Ort der Erzeugung solcher Waren beigemessen wurde. Es genügt darauf hinzu weisen, dass noch in den 30er Jahren in Rezzo über 70 handwerkliche Betriebe tätig waren. Groß war die Palette der Produkte: der Olivenkorb, der mittelgroße und große Brotkorb, die seitlichen Sattelkörbe für Saumtiere und viele mehr. Die eingesetzten Stoffe waren das Nussholz, selten das Kastanien- oder Weidenholz. Zahlreich und besonderer Bauart mit seltsamen Namen waren die verwendeten Werkzeuge: "Pogra", "Massierolo", "Poirino", "Traciorino", "Travega".


Die himmlischen Heerscharen von Gavénola

"24 Engelskleidungen mit denen 24 Jünglinge anlässlich der Prozession des Heiligen Grabes bekleidet werden sollen, mit entsprechender Anzahl englischer Wahrzeichen". Auf diese Weise sind 24 Kostüme in dem Inventar des Jahres 1842 aufgeführt, die seit den Jahren 1789-1790 in der Pfarrkirche von Gavénola aufbewahrt werden. Der Schenker der Kleider war fast sicherlich Francesco Vanennes, Urheber und Geldspender für die Erweiterung der Kirche, die in der zweiten Hälfte des 18.Jh. durchgeführt wurde.


Die Ubaga-Masken (Museo del Territorio: das Ubagu-Antlitz)

Ubaga ist ein kleines Dorf auf dem rechten Hang des Arroscia-Tales. Der Name geht auf ein archaisches ligurisches Wort zurück, das die schattigen Stellen bezeichnet, in beständigem Kampf mit der Natur. Die Ubaga-Masken sind einmalige und unnachmachbare von bedeutenden gegenwärtigen Künstlern geschaffene Werke, die sich auf antike Mythen der Legenden beziehen, auf Ortsnamen der Tiefe des ligurischen Hinterlandes. Beständige Ausstellung in Pieve di Teco.


Die Wein- und Ölstraße von den Alpen zum Meer

Es ist die erste den altherkömmlichen Erzeugnissen und der ligurischen Kultur des Hinterlandes gewidmete Straße. Sie zieht durch unzählige Weiler, entdeckt eine bezaubernde geschichtsträchtige Landschaft und eine unverseuchte Kleinwirtschaft. Die Wein- und Ölstraße stellt sich mit einem Programm an Besichtigungen und Aufenthalten, Kostgelegenheiten vor und kulturellen und enogastronomischen Veranstaltungen, die sich durch die farbenfrohe und wohlduftende mittelmeerländische Küche auszeichnen.

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